| Newsletter Ausgangsmaterial – Februar 2008 | < zurück |
- Ist die Konsolidierungswelle europäischer Blumenversteigerungen abgeschlossen?
- Blumen auf Rädern
- Blumen aus dem Lager
- Rosen: Massenware aus aller Welt, die Spitze kommt weiter aus Europa
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Ist die Konsolidierungswelle europäischer Blumenversteigerungen abgeschlossen?
Seit dem 1. Januar haben sich die zwei größten Versteigerung der Welt, beide ansässig in Nordwest-Europa, zur Versteigerung FloraHolland zusammengeschlossen. Durch die Fusion ist eine große Organisation mit enormer Marktmacht entstanden.
Die fusionierte Versteigerung ist durch ihren Einfluss am Markt nun in der Lage Veränderungen durchzusetzen, die notwendig sind, um den wachsenden Konsumentenmarkt adäquat mit Produkten des Zierpflanzenbaus zu versorgen. Dies gilt für die Märkte in verschiedenen Ländern Europas, aber darüber hinaus auch für eine Reihe von anderen Ländern. Die neue Mega-Versteigerung hat einen Jahresumsatz von rund 4 Milliarden Euro.
Die Fusion hat auch Folgen für andere Versteigerungen in Nordwest Europa, die unabhängig von den Fusionspartnern operieren. Eine dieser Organisationen, mit Sitz in Deutschland, ist auch aus einer Reihe von Konsolidierungen entstanden und hat einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Landgard, so der Name des Unternehmens, betreibt ebenfalls Versteigerungen und hat eine starke Position auf dem deutschen Konsumentenmarkt. Seit einiger Zeit operiert Landgard auch mit je einem Cash & Carry auf dem österreichischen und tschechischen Markt.
Die deutsche Versteigerungsorganisation spekuliert öffentlich über einen Zusammenschluss mit dem „großen Bruder“ oder zumindest einer sehr engen Zusammenarbeit.
Auch für die große Versteigerungsorganisation ist ein enges Band zum „kleineren Bruder“ nicht uninteressant, denn neben der starken Position auf dem deutschen Markt vor allem auf dem Gebiet der Topfpflanzenvermarktung, hat Landgard auch ein breites Netzwerk von Cash & Carry-Märkten in ganz Deutschland.
Auch die Händler, als Versteigerungskunden und die Produzenten, als Eigentümer der Versteigerungen, sehen die Möglichkeit einer sehr engen Zusammenarbeit. Die verstärkte Konzentration von Nachfrage und Angebot würde zu einem besseren Angebot und mehr Kontinuität führen. Mit anderen Worten, alles ist jederzeit und in jeder gewünschten Menge erhältlich und bietet auch Kostenvorteile in der Produktions- und Absatzkette.
Die Wortführer von FloraHolland und Landgard haben zu erkennen gegeben, dass eine möglichst enge Zusammenarbeit denkbar wäre. Vor allem die logistische Abwicklung bei den Frischeprodukten würde dadurch effizienter.
Für eine weitere Stärkung des Marktes für Zierpflanzen und der Position europäischer Produzenten, wäre eine „Fusion“ beider Großkonzerne von Vorteil, darüber bestehen kaum Meinungsunterschiede. Nimmt man die Aussagen der Sprecher beider Seiten ernst, ist die Frage eher wann und weniger ob diese enge Zusammenarbeit stattfinden wird.
Themenvorschläge für die Redaktion- Interview mit einem der Geschäftsführer der jeweiligen Versteigerung. Namen und Kontaktdaten sind erhältlich bei c.van.vliet@flowercouncil.org.
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Blumen auf Rädern
Europa ist für viele Blumenarten nicht nur der wichtigste Schrittmacher für Neuentwicklungen und bedeutendste Lieferant der Welt, auch im Bereich der Kultur- und Erntesysteme stammt das meiste aus den Ideenschmieden und Forschungseinrichtungen Europas.
Die Notwendigkeit Energie einzusparen, das Abfallaufkommen auf ein Minimum zu beschränken und stärker zu Automatisieren, haben die Forscher auf die Idee gebracht Schnittblumen auf Wasser in beweglichen Systemen zu kultivieren. Dadurch fallen außer dem leicht zu reinigenden Wasser keine Substratabfälle mehr an. Durch bewegliche Installationen für die Kultur, die für die Ernte aus dem Gewächshaus gefahren werden können, ist die Raumausnutzung im Gewächshaus viel größer. Es sind nämlich kaum noch Wege notwendig.
Eine andere Option ist es, die Kultursysteme im Gewächshaus zu lassen und ein automatisches Erntesystem zu installieren mit dem die Stiele vollautomatisch geerntet werden können. Diese Systeme sind vor allem für solche Kulturen interessant, die in einem Mal geerntet werden, wie beispielsweise Chrysanthemen.
Da nach Aussagen der Wissenschaftler das Substrat ein Problem bleibt, geht man davon aus, dass letztlich ein System entwickelt werden muss, bei dem die Pflanzenwurzeln in Wasser hängen. In verschiedenen Teiluntersuchungen hat sich bereits angedeutet, dass die maximale Ernte in solchen Systemen mit ausreichender Durchlüftung der Wurzeln erreicht wird, die in einer Düngerlösung hängen. Inzwischen werden in einem Forschungsinstitut umfangreiche Test für ein Projekt durchgeführt, das den Namen ‘Fleurago’ trägt.
Die kommende Veränderung der Kultursysteme hat auch Folgen für die Züchter und Jungpflanzenbetriebe, die sich mit diesen Kulturen befassen. Es ist wahrscheinlich, dass für die neuen Kultursysteme die Bewurzelung der Stecklinge nicht mehr in den bekannten Presstöpfen stattfindet, sondern ebenfalls in Wasser.
Themenvorschläge für die Redaktion- Interview mit einem Experten auf dem Gebiet innovativer Kulturtechnik. Für Namen, Adressen und weitere Unterstützung wenden Sie sich bitte an: c.van.vliet@flowercouncil.org.
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Blumen aus dem Lager
Der Transport von Blumen in Seecontainern findet erst in geringem Umfang statt und ist zudem Thema in der Forschung. Würde sich diese Methode der logistischen Abwicklung durchsetzen, könnte die gesamte Blumenbranche weltweit völlig auf den Kopf gestellt werden.
Was ist von einer Preisbildung zu halten, die auf einer täglichen Anlieferung von Ware basiert, die auch tatsächlich verkauft werden muss, da es sich um verderbliche Produkte handelt? Mit jedem Tag, den das Produkt nach der Ernte nicht verkauft wird, nimmt dessen Wert deutlich ab.
Aktuell gibt es wieder neue Entwicklungen, die Bewegung in die Problematik der Warendistribution bringt. Was auf dem Obstsektor bereits seit Jahrzehnten normal ist hält nun auch in der Blumenbranche Einzug: ULO, also Ultra Low Oxygen. Durch ein spezielles Zusammenspiel aus Lagertemperatur und das Verhältnis von Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2), können Blumen vom Produzenten mehr als 10 Wochen in einem Kühlraum gelagert werden. Dabei kommt es weder zu nennenswerten Qualitätsminderungen noch büßt die Haltbarkeit ein. Das klingt zu schön um wahr zu sein: Saisonprodukte wie Pfingstrosen werden in größeren Mengen produziert, gelagert und in kleinen Mengen, nach und nach auf den Markt gebracht.
So einfach wie es scheint ist es jedoch nicht. Inzwischen hat sich gezeigt, dass Rosen, Päonien und Lilien monatelang gelagert werden können. Wie sich andere Pflanzen verhalten muss noch untersucht werden. Doch das ist nicht alles. Hunderte von Rosensorten reagieren jeweils individuell auf einen sehr niedrigen Sauerstoffgehalt und niedrige Temperaturen, sowie ein bestimmtes Verhältnis von O2 und CO2. Die Unterschiede haben unter anderem mit dem Zuckergehalt im jeweiligen Produkt zu tun. Das bedeutet, dass Qualität und Vitalität des Produktes zum Erntezeitpunkt der Blumen von wesentlicher Bedeutung sind.
Das Einführen der ULO-Technik hat Folgen für die gesamte Branche einschließlich der Züchter und Jungpflanzenbetriebe. Qualität wird noch wichtiger und Sorten, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht gut auf die Lagerung und die ULO-Technik reagieren, werden nach einiger Zeit aus dem Sortiment verschwinden.
Themenvorschläge für die Redaktion- Interview mit einem Experten auf dem Gebiet der ULO-Technik. Für Namen, Adressen und weitere Unterstützung wenden Sie sich bitte an: c.van.vliet@flowercouncil.org.
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Rosen: Massenware aus aller Welt, die Spitze kommt weiter aus Europa
In den letzen zehn Jahren hat sich die Rosenkultur und der Markt für Rosen stark verändert. Die Gestehungskosten sind äußert wichtig geworden und werden, durch die Zunahme des Blumenabsatzes über den Supermarktkanal, noch weiter an Bedeutung gewinnen.
Die Rose ist mit Abstand die wichtigste Schnittblume. Es wird geschätzt, dass der weltweite Blumenhandel zu 30 Prozent aus Rosen besteht. Durch den Druck auf die Gestehungskosten verlagert sich die Kultur von Schnittrosen immer stärker in die Länder, in denen die Lohnkosten niedrig sind und zusätzlicher Energieeinsatz eine viel geringere Rolle spielt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die für die (Luft-)Fracht anfallenden Kosten, um die Rosen aus den Niedriglohnländern in die bedeutenden Absatzmärkte - unter anderem Europa, Nordamerika und Japan- zu transportieren, hoch sind.
Um die schnellwachsende Nachfrage nach preisgünstigen Rosen, die als Massenprodukt über die Supermärkte ihren Weg zu den Konsumenten finden, zu befriedigen, muss flexibler produziert und Produktionsflächen ausgeweitet werden. In Regionen wie Ostafrika, Südamerika und in China ist dies recht einfach, da die Gesetzgebung dort schnellen Betriebserweiterungen selten im Wege steht. Außerdem kostet dort ein Gewächshaus nur einen Bruchteil der Aufwendungen, die in Europa notwendig wären.
Dies hat zur Folge, dass heute in Europa Rosen nur noch auf rund 1.000 ha angebaut werden, davon gut 600 ha in den Niederlanden. Kolumbien und Ecuador verfügen gemeinsam über 2.000 ha Anbaufläche und Kenia über etwa 1.800 ha. Zusätzlich werden im übrigen Afrika noch auf etwa 1.000 ha Rosen kultiviert. In Russland und der Ukraine gibt es nach Schätzungen 300 ha und in China (bisher) 150 ha.
Die Züchter stammen fast alle aus den EU-Mitgliedstaaten Niederlande, Deutschland und Frankreich. Ihre Einrichtungen für die Züchtung von Rosen werden auch in diesen Ländern bleiben. Das Testen neuer Sorten geschieht vor allem an den Orten an denen auch die Kunden sind, die Produzenten der Schnittrosen. Dennoch sind alle der Überzeugung, dass der europäische Markt für sie noch immer sehr wichtig ist, da dort die Spitzenqualitäten kultiviert werden. Dort befinden sich auch die anspruchsvollen Konsumenten.
Außerdem sind einige Sorten, insbesondere rote und weiße, sehr schwierig zu kultivieren -besonders in Afrika. Durch die hohe Lichtintensität dort zeigen die Rosen nicht die erwartete Farbausprägung. Europa bleibt daher ein wichtiger Markt für die Rosenzüchter.
Themenvorschläge für die Redaktion- Interview mit einem Experten auf dem Gebiet der Rosenzüchtung. Namen und Kontaktdaten sind erhältlich bei c.van.vliet@flowercouncil.org.